Treibst Du noch Sport oder bewegst Du Dich schon?

Erkenntnisse einer Sportverweigererin, die zur Bewegungsgenießerin und Fitnesstrainerin wurde

Erst kürzlich habe ich online einen Artikel zu einem Sportevent gelesen, der mich ziemlich entsetzt hat:

es ging um einen „Juniormarathon“ in Linz bei dem drei- bis vierjährige (!) Kinder bei einem (kurzen) Marathon antreten mussten und von ihren Eltern rabiat durchs Ziel gezerrt wurden.

Glücklicherweise hatten meine Eltern niemals solche Ambitionen für mich. Ich durfte in meiner Freizeit meinen Lieblingstätigkeiten nachgehen: draussen spielen, reiten, auf Bäume klettern, Höhlen bauen…

Aber dieser Bericht hat mich wieder daran erinnert, wie die natürliche Freude an der Bewegung von Kindern oft durch Schule oder durch ambitionierte Eltern zerstört wird. Im Unterricht und zuhause hat man gefälligst still zu sitzen (wehe man macht Balanceübungen mit dem Stuhl… 😉  ).

In den Sportstunden soll man dann auf Knopfdruck Höchstleistungen erbringen und „darf“ die Erfahrung machen, wie es ist, sich als Gewinner oder Verlierer zu fühlen. Man lernt, wie sch*** es sich anfühlt, von anderen be-, ent- und abgewertet zu werden und: dass Bewegung unerwünscht und Leistung, Kampf und „andere in die Pfanne hauen“ erwünscht ist. Diejenigen, die Sport lieben, gehören meistens zu den Siegern. Ich gehörte zu den Verlierern…

Bei mir war es so und ich kenne viele Frauen, die ähnliche Erfahrungen gemacht haben.

Seit dem Sportunterricht in der Schule verweigere ich konsequent die meisten Aktivitäten, die unter den Oberbegriff „Sport“ fallen:

dazu gehörten sämtliche Mannschaftssportarten (insbesondere Ballsportarten) und Leichtathletik (obwohl ich schnell laufen und weit springen konnte)… Wie es dazu kam, dass ich von meinem 15ten bis zum 30ten Lebensjahr Sport komplett verweigert habe, kannst Du in dem Artikel „Die Vorgeschichte… vom Körper in den Kopf – Wie ich durch Schule und Beruf mein (Körper) Bewusstsein verlor“ nachlesen.

Sport oder Bewegung: wo ist denn da der Unterschied?

Hast Du Dir jemals diese Frage gestellt? – Ich habe mir darüber zumindest lange Zeit keine Gedanken gemacht.

Ist Dir schon einmal aufgefallen, dass es für „Sport treiben“ kein richtiges Verb gibt? Man „macht Sport“ oder man „treibt Sport“. Ich bekomme da sofort die Assoziation „getrieben werden“… 😉

Durch meine Erfahrungen bin ich zu folgenden Unterscheidungen gekommen:

Sport

Der maßgebliche Unterschied liegt meiner Meinung darin, dass Sport in der Regel ein Ziel verfolgt. Laut Definition handelt es sich um körperliche Betätigungen, die man zum Vergnügen, zur Kräftigung des Körpers oder als Wettkampf betreibt.

Ob Olympia, Wettkampf, Brot und Spiele im alten Rom:

die Herkunft und Entwicklung des Sportes ist eher yang – männlich geprägt.

Sport

Sport ist meistens extrinsisch (von aussen) motiviert. Man treibt Sport, um

  • abzunehmen
  • zu gewinnen
  • sich und anderen etwas zu beweisen
  • gesund zu bleiben / werden
  • oft aber auch einfach, um vor dem Alltag zu fliehen.

Sport findet „außerhalb“ von mir statt.

Was meine ich damit?

Fast immer benötigt man für Sport etwas, das ausserhalb von uns liegt: sei´s Mitspieler, einen Ball, ein Sportgerät, oder spezielle Sportschuhe…

Um Sport zu treiben, muss ich in der Regel Energie aufwenden!

Leben wird durch Bewegung sichtbar!

Bewegung

Photo by © Danila Amodeo Photography

Für Bewegung brauche ich nur meinen Körper!

Bewegung verfolgt im Gegensatz zu Sport kein durch den Verstand gesetztes Ziel. Bewegung entsteht in der Regel aus einem spontanen, natürlichen inneren Impuls heraus.

Ob es nun das

  • spontane Recken und Strecken morgens im Bett ist,
  • Tanzen ums Lagerfeuer,
  • Herumflitzen von Kindern im Garten…

Natürlich ist Bewegung so gesehen auch „zielorientiert“.

Allerdings ist dieses Bewegungs-Ziel intrinsisch motiviert und hat damit eher eine yin (weibliche) Herkunft und Entwicklung:

es entspringt der natürlichen Weisheit Deines Körpers, der genau weiß, was er gerade braucht, um gesund oder beweglich zu bleiben.

Bewegung hat sehr viel mit Körperwahrnehmung und -bewusstsein zu tun. Bewegung ist spass-, genuss- und empfindungsorientiert.

Wenn Bewegung natürlich und mit Freude ausgeführt wird, hast Du die gleichen (meistens bessere!) Ergebnisse wie im Sport:

  • Du nimmst ab,
  • Du wirst beweglicher,
  • Du bekommst eine bessere Koordination,
  • Du trainierst Dein Herzkreislaufsystem,
  • Du stärkst Dein Immunsystem…

und zwar ganz nebenbei, während Du Spaß hast, die Bewegung genießt, nicht bewertet wirst oder irgendetwas erreichen musst, also ohne wieder in irgendeine Art Stress zu geraten.

Bewusste Bewegung generiert Energie, dadurch dass sie Gelenke öffnet und so den Energiefluss wieder frei gibt.

Im ersten halben Jahr, als ich mit Nia begonnen habe, habe ich ganz nebenbei über 10 kg abgenommen!


Das war eigentlich gar nicht mein Ziel.

Ich hab‘ mich auch nicht angestrengt oder meine Ernährung umgestellt.

Ich hab‘ einfach mein Körpergefühl und meine Freude am Tanzen gespürt und wollte mehr davon!

Wie ich meine Freude an der Bewegung wieder gefunden habe

Mein Weg zurück zu meiner Freude an der Bewegung könnte auch heißen: „auf der Suche nach den verlorenen Empfindungen“!

Das Zauberwort heißt Achtsamkeit!

Während ich mich anfangs nur gespürt habe, wenn das Herz gerast hat, die Muskeln gebrannt haben, die Kraft geschwunden ist oder die Knie weh getan haben, habe ich mit der Zeit gelernt, immer feinere Signale und Empfindungen meines Körpers wahrzunehmen.

Meine Begeisterung für meinen Körper – und für den Körper im Allgemeinen – wuchs mit jedem „Erspürnis“!

Mit der Begeisterung für meinen Körper, kam die Freude an der Bewegung, die Freude, Neues auszubrobieren, jede banale Alltags-Situation zu durchspüren, mit der Freude an der Bewegung kam die Lebensfreude!

In Nia nennen wir diese Prinzipen „Living Meditation“ (Lebendige Meditation) und „Sensing Life as Art“ (das Leben als Kunst wahrnehmen).

Mit Nia habe ich gelernt, den Weg des Körpers zu entdecken, und ich bin nach wie vor mit steigender Begeisterung dabei. Hier erfährst du mehr über die fünf Nia-Basisprinzipien „Der Weg des Körpers“.

In meinem nächsten Blogartikel erfährst Du, wie Du durch Bewusstheit und Achtsamkeit Deine Fitness steigerst und gleichzeitig Deine Lebensqualität und Energie verbesserst!

Welche Erfahrungen hast Du mit Sport und Bewegung gemacht? Gehörst Du vielleicht zu denjenigen, die Sport lieben und hast völlig andere Erfahrungen gemacht? Bist Du selbst auch bereits Bewegungsgenießerin und möchtest noch viele tolle „Erspürnisse“ er-LEBEN?

Dann schreib´s unten in die Kommentare und teile Deine Erkenntnisse mit uns und Deinen Freunden!!

Love your body, love your life!

Deine Kristin

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2 Kommentare

  1. Christl Pommmer
    5. Mai 2016

    Liebe Kristin, einigen Frauen kommen deine Erfahrungen wahrscheinlich bekannt vor, aber es stört mich ein bisschen, dass der Sportunterricht in der Schule so schlecht weg kommt. Schon allein dass es nicht mehr „Leibesübungen “ sondern „Sport und Bewegung“ heißt, ist ein Zeichen für Erneuerung. Auch im Sportunterricht musst du als Lehrer differenzieren und dich an die Sportmöglichkeiten in der Schule und den körperlichen „Zustand“ der Kinder in deiner Planung orientieren. Ich habe 40 Jahre Sport unterrichtet und es war mir immer ein Anliegen, den Kindern möglichst viele Bewegungsarten vorzustellen und vor allem die Freude an Bewegung zu vermitteln! Mittlerweile bin ich seit 8 Jahren begeisterte Nia-Tänzerin und kann nicht genug bekommen davon! Nachdem es in den USA auch 80-jährige Nia-Teacher gibt, kannst du noch lange mit mir rechnen!

    1. 5. Mai 2016

      Liebe Christl,

      vielen Dank für Deinen Kommentar!
      Natürlich gibt es tolle Sportlehrer und tollen Sportunterricht. Dass es hier in Österreich „Sport und Bewegung“ heißt, wußte ich zum Beispiel nicht. Das ist ein super Zeichen! In Deutschland hieß es zu meiner Zeit nur „Sport“ und das hat sich, glaube ich noch nicht geändert.

      Ich denke, dass ich völlig andere Erfahrungen gemacht hätte, wenn ich eine Lehrerin wie Dich gehabt hätte. 😉

      In meinem Fall war der Sportunterricht zu ca. 80 % begrenzt auf Ballsportarten und Leichtathletik. Meine seltenen Highlights, bei denen ich hätte punkten können, waren Zirkeltraining, (Geräte)turnen, Schwimmen… leider viel zu selten, was dazu führte, dass ich in Sport meistens gerade mal eine vier hatte. Das, was ich im Sportunterricht gelernt habe, war, „nicht gut genug zu sein“ und um diesen Glaubenssatz wieder aus meinem Kopf und Körpersystem raus zu bekommen, hab ich tausende von Euros, eine Coachingausbildung und die Nia Ausbildung gebraucht… 😉

      Allerdings kann ich heute auch gut verstehen, warum meine Lehrer genau diese Sportarten bevorzugt habe: wir waren teilweise 34 Schüler in der Klasse und wir hatten immer nur einen Lehrer. Heute ist es glaube ich so, dass oft noch ein zweiter Lehrer dabei ist…

      Ich habe diesen Artikel ja auch geschrieben, um genau so eine Diskussion anzuregen und aufmerksam zu machen, gerade WEIL ich dachte, es wäre heute anders… und dann kommt dieser Artikel von dem Jugendmarathon daher…

      Er spiegelt in erster Linie meine Erfahrung wider und die von Teilnehmerinnen in meinen Kursen, von ehemaligen Mitschülern, aber auch von Freunden (auch Christian) und Bekannten. Selbst Dagmar, die Sportlehrerin in Deutschland war, hat mir bestätigt, dass selbst das, was als Breitensport bezeichnet wird, das Ziel hat „Kinder an den Sport heran zu führen“, statt den natürlichen Bewegungsdrang zu fördern und zu unterstützen. Es ging niemals um Körperwahrnehmung, Achtsamkeit oder Bewußtsein. Wenn etwas in diese Rchtung gemacht wurde, waren es in der Regel engagierte Lehrer wie sie oder Du, die das eigenständig initiert haben.

      Mir geht es darum, denjenigen, die ähnliche Erfahrungen gemacht haben zu zeigen, dass es niemals zu spät ist, sich die „Freude an der Bewegung“ zurück zu holen!!

      …und ich hoffe natürlich, dass Du noch lange mit mir tanzt und dass Du irgendwann Deine Lehrtätigkeit wieder aufnimmst: als Nia Lehrerin, und ganz viele verlorene Bewegungsseelen wieder zurück in ihre Körper bringst!

      Alles Liebe,
      Kristin

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